Krankentagebuch - Teil 1


August 2003

Ich sehe Doppelbilder, aber mir glaubt niemand - nicht einmal der Augenarzt.


Mitte Oktober 2003

Ich habe immer wieder Kopfweh, es vergeht aber auch recht schnell wieder.


Mitte Dezember 2003

Ich wache nachts auf, habe fürchterliche Kopfschmerzen und muss mich übergeben. Meine Eltern kommen ins Zimmer und sprechen mit mir, ich verstehe sie aber nicht. Kurze Zeit später fahren Mama und Papa mit mir ins Krankenhaus in die Notaufnahme. Auf meinen Bruder passen inzwischen unsere Nachbarn auf - lieb von ihnen mitten in der Nacht rüberzukommen. In der Klink werde ich dann untersucht und muss verschiedene Balanceübungen machen - ich kann nicht richtig auf einem Bein stehen und gerade an einer Linie entlangzulaufen schaffe ich auch nicht. Die Kopfschmerzen lassen aber nach und ich verstehe auch wieder alles was die Ärzte und meine Eltern sagen. Ich darf auch wieder nach Hause. Mama und Papa sollen aber meine Kopfschmerzen weiter beobachten.


Weihnachten 2003

Ich bekomme ein Kickboard geschenkt!!! Das muss ich natürlich gleich ausprobieren. Irgendwie schaffe ich es nicht mich auf dem Brett zu halten. Meine Eltern sagen ich muss eben noch etwas üben.


Januar 2004

Meine Kopfschmerzen kommen immer wieder. Mama geht mit mir zum Arzt. Leider hat mein Kinderarzt gerade Urlaub und ich muß zu seiner Vertretung. Es konnte wieder nichts festgestellt werden. Meine Eltern sollen es weiter beobachten und versuchen herauszubekommen ob die Kopfscherzen hauptsächlich bei Wetterumschwüngen auftreten. Wenn die Kopfschmerzen zu stark werden soll ich Ibuprofen nehmen.


1. Februar 2004

Es ist wunderbares Wetter und wir wollen etwas Rad fahren. Beim Aufsteigen verliere ich das Gleichgewicht und knalle gegen das Auto unserer Nachbarn. Es hat jetzt eine Beule und einen langen Kratzer am Kotflügel. Ich verstehe das nicht - ich bin letzten Sommer so viel Rad gefahren. Als wir wieder losfahren bin ich sehr wackelig und nach ein paar hundert Metern lande ich mit meinem Fahrrad im Acker. Nun melden sich auch meine Kopfschmerzen wieder. Wir gehen wieder nach Hause.


5. Februar 2004

Meine Kopfschmerzen sind die ganze Woche über nicht mehr weggegangen und sind nur stärker und schwächer geworden. Mama und Papa beschließen morgen früh mit mir zum Arzt zu gehen.


6. Februar 2004

Nachts wache ich wieder auf und muss spucken. Meine Kopfschmerzen sind wieder ganz schlimm. Ich bekomme Ibuprofen und die Schmerzen lassen nach. Beim Kinderarzt müssen Papa und ich sehr lange warten. Die Praxis ist sehr voll. Als ich endlich dran bin macht der Doktor bei mir die gleichen Tests wie die Ärzte in der Notaufnahme. Mein Papa erzählt dem Arzt von der Nacht in der Notaufnahme, von meinem Arztbesuch im Januar und von meinem Unfall am Wochenende. Der Doktor bekommt große Augen und schickt mich mit meinem Papa sofort nach Stuttgart ins Olgahospital. Auf dem Weg dorthin telefonieren wir mit Mama und sagen ihr wohin wir fahren. Sie lässt sofort alles stehen und liegen und macht sich sofort auf den Weg zu mir. Papa und ich sind natürlich vor Ihr dort und ich werde wieder untersucht. Es sind wieder die gleichen Untersuchungen wie die anderen Male auch. Plötzlich wird mir schlecht und ich muss wieder spucken. Die Schwester schafft es gerade noch mir eine Schüssel zu bringen. Dann wird ein EEG gemacht - ich bekomme ganz viele Saugnäpfe an den Kopf und muß ganz ruhig liegen. Danach geht es gleich weiter zum MRT. In der Röhre darf ich eine CD hören. Durch das Brummen von der Maschine schlafe ich aber recht schnell ein. Als ich wieder geweckt werde muss ich ins Nebenzimmer kommen. Dort zeigt mir ein Arzt die Bilder die sie von meinem Kopf gemacht haben. Man sieht darauf deutlich einen großen Knoten von dem der Arzt sagt, dass er herausoperiert werden muß. Meine Eltern stehen neben mir und versuchen mich zu beruhigen, weil ich große Angst vor der Operation habe. Aber auch sie sehen ziemlich geschockt aus. Für die Operation muß ich aber in ein anderes Krankenhaus verlegt werden - das Katharinenhospital. Ich werde sogar mit einem Krankenwagen dorthin gefahren. Am Abend findet die erste Operation statt. Bei dieser OP soll aber nicht der Tumor entfert werden, sondern nur eine Drainage gelegt werden um den Druck in meinem Gehirn zu senken. Papa kommt mit mir mit bis in den Vorbereitungsraum. Dort bekomme ich dann ein Betäubungsmittel und schlafe ein. Als ich wieder aufwache werde ich gerade auf mein Zimmer gefahren. Mama, Papa und Oma Linde sind da und sprechen mit mir.


10. Februar 2004

Der Tag der großen Operation... In den letzten Tagen habe ich viel Besuch bekommen. Sogar ein paar Freundinnen waren da und haben mir Bilder mitgebracht, die meine Schulklasse für mich gemalt hat. Ich habe sehr große Angst vor der Operation, aber Mama, Papa und Oma sprechen mir Mut zu. Wieder kommt Papa mit in den Vorbereitungsraum. Mir ist kalt und ich zittere. Papa spricht die ganze Zeit mit mir, während ich das Betäubungsmittel bekomme. Kurz darauf schlafe ich ein.


11. Februar 2004

Ich wache etwa um 16:00 Uhr aus der Narkose auf. Mir ist schlecht und ich muss immer wieder spucken. Sprechen kann ich noch nicht, aber Papa zuckt jedes Mal zusammen wenn ich hochfahre. Mama erzählt mir, dass die Operation gut verlaufen ist und dass der Knoten komplett herausoperiert wurde - ich bin sehr erleichtert. Dann wird Papa von einem Pfleger rausgeschickt, weil er mich mit seinem Schlauchkoller immer wieder erschreckt. Mama bleibt bei mir. Später erzählen mir meine Eltern, dass die OP fast 8 Stunden gedauert hat.


18. bis 24. Februar 2004

Ich habe mich gut erholt und werde wieder ins "Olgäle" (Olgahospital) verlegt. Die Ärzte die mich operiert haben, haben tolle Arbeit geleistet! Ich hoffe dass die Ärzte und Schwestern dort genauso nett sind wie im Katharinenhospital. Im "Olgäle" werden noch einige Untersuchungen gemacht. Unter anderem wird mir Nervenwasser aus dem Rücken abgenommen. Dafür soll ich ein Mittel nehmen, das mich "balla balla" macht. Das will ich aber nicht. Ich habe auch die zweite Naht am Kopf ohne Spritze gemacht! Dann wird noch besprochen wie ich weiter behandelt werde. Ich soll eine Bestrahlung und eine Chemotherapie bekommen. Am 24. werde ich entlassen und darf wieder nach Hause - endlich!!!!