Erklärung zum Abbruch


Dies ist unsere persönliche Entscheidung. Sie betrifft ausschließlich unsere Tochter Nadja und darf nicht als Entscheidungsgrundlage für andere Betroffene verstanden werden.

Warum haben wir die Chemotherapie abgebrochen? Es war in keiner Weise eine leichte Entscheidung für uns, im Gegenteil, wir haben uns wochenlang den Kopf darüber zerbrochen und Telefonate mit verschiedenen Tumorzentren, der Pharmaindustrie und der Studienkomisssion geführt. Auch das HIT2000 Studienprotokoll haben wir stundenlang hin- und hergewälzt. (Hier muß leider gesagt werden, dass das Protokoll (nach dem alle erkrankten Kinder ja behandelt werden sollen) offenbar nicht an die Patirnten oder Angehörigen (wie den Eltern) ausgehändigt wird. Hier wird den Eltern bewusst das wichtigste Nachschlagewerk vorenthalten.)

Es sind verschiedene Gründe

  1. Bei dieser Chemotherapie handelt es sich um eine Erhaltungschemotherapie, welche sich die Vorgabe stellt, dass die behandelten Kinder durch diese Therapie nachhaltig keine gravierenden Schäden aufweisen dürfen. Hierzu gibt es verschiedene Richtlinien zur Dosismodifikation - außerdem wurde bei Nadja der Tumor vollständig entfernt, es gab keine Metastasierung und die prophylaktische Bestrahlung war hervorragend.
  2. Nadja ist in verschiedenen Bereichen, welche eine Dosismodifikation vorschreiben, grenzwertig oder eindeutig grenzüberschreitend.

Dies sind alles Punkte denen in der Behandlung (außer da wo wir uns vehement durchgesetzt haben) keinerlei Rechnung getragen wurde. Einziger Vorschlag war CCNU auf auf 50mg/qm zu reduzieren, was längst hätte passiert sein müssen, und evtl. das Carboplatin etwas reduzieren.

Unsere Frage, auf welche Schädigung sollen wir jetzt noch warten? Sollen wir es wirklich riskieren, dass Nadja an Epilepsie erkrankt (ein weiterer Krampfanfall würde dies bedeuten) oder sich ihre Blutwerte gar nicht mehr erholen?

Da jetzt auch noch die Creatinclearence grenzwertig ist und die Leukozyten innerhalb einer Woche nur von 2200 auf 2400 angestiegen sind, haben wir für uns entschieden, dass in dieser Risiko/Nutzenrechnung, das Risiko deutlich überwiegt und brechen hiermit die Chemo ab.

Hätte man uns von vornherein aktiver in die Therapieplanung mit einbezogen und die Medikamente nach Studie reduziert, wäre es vielleicht sogar Nadja möglich gewesen einige Blöcke mehr durchzuhalten. Die Anzahl von 8 Blöcken war für uns persönlich von Anfang an unrealistisch, da Nadja schon immer überaus sensibel auf Medikamente reagiert hat. Dieser Tatsache wurde in bei Nadjas Chemotherapie leider in keinster Weise Rechnung getragen.

Wir sind überzeugt, dass unsere Nadja die 3 Blöcke als Sicherheit ausreichen um gesund zu bleiben. Nicht umsonst hat sie einen starken Willen und ist eine Kämpfernatur.


Trotz einiger Kritikpunkte fühlen wir uns in Heidelberg sehr gut aufgehoben, und werden auch die Nachbehandlung gerne dort fortführen. Wir sind sehr kritische Eltern und informieren uns gerne auch selbst.